Der Kesch-Trek ist auch eine Entdeckungsreise

Auf Säumerspuren am Scalettapass

Am zweiten Tag des Kesch-Treks wandert man über den Scalettapass auf historischen Spuren der Säumer aus dem Mittelalter, die einen regen Handel bis ins italienische Veltlin betrieben. Der Scalettapass (2606 m ü. M.) verbindet die deutschsprachige Walsersiedlung Davos über Dürrboden im Dischmatal mit der Alp Funtauna im Val Susauna und schliesslich mit S-chanf im rätoromanischen Engadin.
Der Name Scaletta (kleine Treppe, rätorom. Cuolm S-chaletta) weist auf die treppenförmigen Wegabschnitte südlich der Passhöhe hin. Im Mittelalter bildete er eine inneralpineVerbindung von Chur über den Strelapass nach Davos und von S-chanf über den Pass Chaschauna nach Livigno und Bormio im Veltlin. Insbesondere die Davoser benutzten diese Route für den Export ihrer Produkte aus der Viehwirtschaft und den Import von Wein und Korn. Mit dem Ausbau des Flüelapasses 1868 zu einer fahrbaren Strasse wurde der Säumerverkehr am Scaletta eingestellt.

Scalettapass

Die Leiche vom Porchabella-Gletscher

Unmittelbar neben der Kesch-Hütte SAC liegt der Porchabella-Gletscher am Fusse des Piz Kesch. Zum Greifen nah lässt sich hier die ganze Faszination, die von den Alpengletschern ausgeht, erleben. Weil die Alpengletscher stark abschmelzen, geben sie alte Geheimnisse aus dem «ewigen Eis» preis. So auch eine Frauenleiche aus dem 17. Jahrhundert, deren Überreste am Fusse des Piz Kesch aus dem Eis ragten. Nach und nach fand man den Schädel, mehrere Rippen und Beckenfragmente. Daraus wurde ersichtlich, dass die Frau vermutlich zwischen 20 und 30 Jahre alt war, als sie auf dem Gletscher ums Leben kam. An ihrem Todestag war ihr dunkelblondes Haar mit Netz und Filzhut bedeckt, sie war in einen langen, gefütterten Wollmantel gehüllt, trug eine Bluse und Lederschuhe. Der Machart ihrer pechgenähten Schuhe nach, war die Frau Österreicherin. Ein Rätsel bleibt: Was hatte die Frau vor über 300 Jahren wohl bewogen, über den Porchabella-Gletscher zu gehen?

Porchabella

Parc Ela

Das Gebiet Kesch – Porchabella – Albulapass – Bergün, das auf dem Kesch-Trek durchwandert wird, ist Bestandteil des grössten regionalen Naturparks der Schweiz – dem Parc Ela. Die beiden Talschaften Sursès und Albulatal in der Region Mittelbünden stehen im Zentrum des 600 km2 grossen Parks. Mit einer nachhaltigen Entwicklung versucht man die intakte Natur und Kultur der Region zu erhalten und gleichzeitig sanft zu nutzen. Zahlreiche Angebote bieten spannende Natur- und Kulturerlebnisse im Parc Ela. Weitere Informationen und Angebote unter www.parc-ela.ch.

Blume

Albula und Rhätische Bahn

Auf der vierten Etappe von der Es-cha-Hütte SAC gelangt man nach kurzer Zeit zu einem einzigartigen «Steinmanndlipark». Einen letzten Blick auf die spektakuläre Engadiner Berninagruppe werfend, gelangt man über den Albulapass nach Bergün. Das Albulatal ist landschaftlich auch geprägt von der Rhätischen Bahn – ein kühnes Bauwerk, das vor über 100 Jahren erstellt wurde. Um 1860 bestand in Europa ein zusammenhängendes Netz von Haupteisenbahnen. Allerdings führten diese nur bis zum Alpenrand. Erst die Erschliessung hoch gelegener Kurorte mit Schmalspurbahnen, wie sie 1890 zum Beispiel für Davos erfolgte, kennzeichnet den Beginn der breiten touristischen Erschliessung der Alpen. In diesem Zusammenhang ist auch der Bau der Albulalinie zu sehen. Gegenüber anderen Varianten, wie die der Scaletta- oder der Julierbahn, hatte die Albulalinie topografische und verkehrstechnische Vorzüge. 1890 konstituierte sich in Bergün ein Albulabahn-Komitee mit Persönlichkeiten aus Politik und Hotellerie. Auf der Basis dieser Initiative erfolgte 1898 der Baubeginn der Albulalinie.

Albulaviadukt